wurde am 1. Juni 1999 von Stephan Olbrich, unter dem Namen Logopädische Praxis Alzenau, gegründet. Als nach 14 Tagen der Terminkalender bereits überquoll, gewann er Meike Korff und Christine Rommel, ab 1.9.1999 nach Alzenau zu kommen. Da er mit beiden schon vorher zusammengearbeitet hatte, wußte er, daß es ein tolles Team werden würde, was es auch schnell wurde. Zum Jahreswechsel 1999/2000 wurden innerhalb der Burgstraße 3 neue, 175 m2 große Räume bezogen. Da der Zuspruch immer größer wurde, gehört seit 1.3.2000 auch Britta Olbrich, Logopädin und Ehefrau von Stephan Olbrich, zum Team. Doch auch zu viert konnte man das Ziel, Wartezeiten erträglich zu halten, nicht gewährleisten. Der gute Ruf der Praxis erweiterte auch das Einzugsgebiet. Patienten kommen mittlerweile aus Hanau, Offenbach, Büdingen, Gelnhausen, Birstein, Aschaffenburg, Niedernberg, Straßbessenbach, Laufach, ... . Also entschied Stephan Olbrich zusammen mit seiner Frau, die Praxis nochmals zu erweitern. Da es in der Burgstr. 3 keine Erweiterungsmöglichkeit gab und es zu Alzenau keine Standortalternative gibt, wurden neue, 160 m2 große Räume in der Hanauer Str. 50 bezogen. Die "neue" Praxis wird von Britta Olbrich geleitet. Als die Entscheidung für die Erweiterung gefallen war, suchte Stephan Olbrich fieberhaft nach weiteren, sehr guten LogopädInnen. Erfreulicherweise konnte zum 1. Oktober 2000 Frau Reinhild Lassacher im Team begrüßt werden. Zum 1. Dezember 2000 gab es einen Wechsel: Frau Meike Korff schied aus der Praxis aus, weil die Geburt ihrer zweiten Tochter unmittelbar bevorstand und wurde von Frau Stephanie Lorber abgelöst. Am 15. Januar 2001 hat Frau Dagmar Carmen Popp ihre Arbeit bei uns aufgenommen und seit 1. März 2001 verstärkt Frau Manuela Hanft unser Team. Trotz der neuen Verstärkung für das Team ( und sicherlich auch zum Teil deswegen), reißt der Strom der Neuanmeldungen nicht ab. Unser guter Ruf veranlaßt immer mehr Patienten, auch weitere Strecken in Kauf zu nehmen, um zu uns zu kommen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, auch weiterhin erträgliche Wartezeiten mit höchster therapeutischer Qualität zu verknüpfen und sind sehr dankbar, daß unsere Leistungen so gut angenommen werden. Stephan Olbrich
Behandlungsfelder im Logopädie Zentrum Untermain
1. Behandlung kindlicher Sprech- und Sprachstörungen
Kinder bilden traditionell den größten Patientenanteil in logopädischen Praxen - so auch in Alzenau.
Sehr wichtig: Das Verhältnis zwischen reizarm
und reizvoll.
Dyslalie
Ein Großteil der Kinder differenziert bestimmte, ähnlich klingende Laute wie t und k oder sch und s nicht aus. Ursache hierfür ist meistens eine Einschränkung des Hörens innerhalb der ersten 3 Lebensjahre. In dieser Zeit reift beim Menschen die Hörbahn. Die Laute der Muttersprache werden wahrgenommen und von anderen Geräuschen differenziert. Dies ist die Basis für den Erwerb all dieser Laute in den darauffolgenden Jahren. Zu den Hörstörungen kommt es neben organischen Defekten meist durch hartnäckige Erkältungen. Aber auch der Anteil der allergiebedingten Hörschwierigkeiten nimmt in den letzten Jahren kontinuierlich zu.
Worte da lernen, wo man sie braucht.
Aufgrund der Schwierigkeiten beim Hören werden unterschiedliche Sprachlaute nicht als solche wahrgenommen. Das Kind experimentiert mit seinen Artikulationswerkzeugen nicht, bis es alle Laute produzieren kann. Hierdurch reift auch die Geschicklichkeit von Mund, Zunge und Velum oft nicht ausreichend.
Wird mit der Therapie früh genug begonnen, können die meisten Sprachschwierigkeiten dieser Art bis zur Einschulung behoben sein. Den Kindern bleiben Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, Hänseleien und Zweifel an ihrer Intelligenz erspart.
Dysgrammatismus
Viele Kinder kommen auch zu uns, weil sie das System der grammatikalischen Regeln nicht erkennen.
Dies hat sehr unterschiedliche Ursachen. Basis des Grammatikerwerbs sind einige vorverbale Kommunikationsformen: So lernt ein Säugling schon im ersten Lebensjahr, sich zunächst mit einer Sache oder einer Person zu beschäftigen (Subjekt-Objekt) und auch schon, sich mit einer Person und einer Sache zu beschäftigen (Ball spielen mit Mama; Subjekt-Objekt1-Objekt2). Im zweiten Lebensjahr reifen mit der Wahrnehmung und der Kognition des jungen Menschen auch seine kommunikativen Fähigkeiten, seien sie verbal oder vorverbal. Immer kompliziertere Spielchen können bewältigt werden, die jeweils in der Syntax ihre Entsprechung haben.
Die Möglichkeit der Schwierigkeiten beim Grammatikerwerb ist unendlich weit gestreut. Manchmal war ein längerer Krankenhausaufenthalt notwendig, währenddem eine oben beschriebene Phase nicht oder nur vermindert stattfinden konnte. Oder es liegen Wahrnehmungsschwierigkeiten beim Hören, Sehen oder auch Spüren vor. Nicht selten sind auch Kinder, die zweisprachig aufwachsen, überfordert, zwei Regelsysteme gleichzeitig zu erwerben.
Je nach Ursache kann auch beim Dysgrammatismus eine Behandlung schon sehr früh für die Entwicklung des Kindes sehr wichtig sein.
Lexikalische Schwierigkeiten
Fast alle Kinder durchleben eine "Dingsda"-Phase. Diese kann kürzer oder länger und auch weniger oder mehr intensiv ausgeprägt sein. Wenn ein Kind allerdings kaum Wortschatz verwendet und auch gut bekannte Gegenstände als "das da" bezeichnet, sollte eine genaue Abklärung erfolgen.
Geschickte Finger - geschickte Zunge !
Die Gründe für lexikalische Schwierigkeiten sind sehr verschieden. Der Grundstein dafür wird schon im ersten Lebensjahr gelegt: In seinen ersten Lebensmonaten beschäftigt sich ein Kind mit dem, was es gerade sieht. Verschwindet ein Gegenstand aus seinem Blickfeld, hört der Gegenstand für das Kind auf zu existieren. Wenig später sucht ein Kind nach einem Gegenstand, wenn es ihn beim Spielen aus den Augen verliert. Das Kind hat eine Vorstellung von einem Gegenstand erworben - die Basis des Lexikonerwerbs. Um einen Gegenstand von anderen unterscheiden zu können, muß das Kind diverse Fähigkeiten haben: Seh-, Hör-, Spürwahrnehmung, Merkfähigkeit,... . Und es müssen die entsprechenden Angebote zum Wahrnehmen vorhanden sein.
Vor meiner Ausbildung zum Logopäden war mir unklar, warum bestimmte Spielzeuge und Freizeitangebote Kinder intelligenter machen sollen, als dies andere angeblich vermögen.
Ein Beispiel soll dies im Bezug auf Lexikonerwerb verdeutlichen: Kind a und b, beide 3 Jahre alt, entwickeln sich beide völlig normal und ähnlich schnell. Kind a spielt viel im Garten, hantiert mit allen möglichen Gegenständen, sieht sie, spürt sie, hört sie, verwendet sie und macht so immer wieder neue Sinneserfahrungen. Kind b hingegen darf schon viel fernsehen. Es sieht viel, hört auch viel, aber dennoch bleiben viele Sinneskanäle ohne Arbeit und weniger entwickelt. Während Kind a viele Worte hört, die es an bestimmte Sinneseindrücke koppeln kann, wirken viele dieser Wörter auf Kind b abstrakt. Kind a fällt der Lexikonerwerb leichter.
Damit will ich nicht unterstellen, daß alle lexikalisch schwachen Kinder zu viel fernsehen. Natürlich gibt es viele Möglichkeiten, warum ein Kind eine bestimmte Entwicklungsstufe nicht meistert. Hier kann Unterstützung in den verschiedenen Wahrnehmungsbereichen notwendig sein.
2. Stottern
Ein Großteil aller Kinder durchlebt eine mehr oder weniger auffällige Phase frühkindlicher Sprechunflüssigkeiten. Ursache ist höchstwahrscheinlich ein zeitlich leicht unsynchrones Nervenbahnenwachstum: So wie beim Kind Arme und Beine wachsen und es aufgrund der minimal unterschiedlichen Wachstumsgeschwindigkeiten bestimmter Bereiche zu den bekannten Wachstumsschmerzen kommen kann, so reifen auch die Nervenbahnen. So auch die, welche Gehörtes vom Ohr zum Gehirn transportieren und solche, die Gespürtes vom Mund zum Gehirn transportieren. So kann es kommen, daß ein Hörreiz leicht zeitlich versetzt zu einem Spürreiz am Gehirn ankommt: Das Kind sagt "Baum" und hört das B einen Bruchteil einer Sekunde, nachdem es die Artikulationsbewegung gespürt hat. Es kommt durcheinander und wiederholt das B ein- oder zweimal. In der Regel gleicht sich das Nervenbahnenwachstum nach wenigen Tagen bis Wochen wieder an und das Kind spricht wider flüssig, bevor es selbst und sein Umfeld die Sprechunflüssigkeiten ernsthaft wahrgenommen haben.
Wenn Üben Spaß macht, geht's auch schnell voran.
Zur Manifestation der Sprechunflüssigkeiten und damit zum Stottern kommt es in der Regel über folgenden Weg:
Die Angleichung des Nervenbahnenwachstums kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken oder es bleiben kleine zeitliche Diskrepanzen der am Gehirn eintreffenden Reize. Dies bedeutet, daß das Kind über einen auffällig langen Zeitraum unflüssig ist. Dies erzeugt eine erhöhte Aufmerksamkeit der Bezugspersonen, die zu teils bewußten, teils unbewußten Reaktionen auf die kindlichen Sprechunflüssigkeiten ( durch besorgte Blicke oder gutgemeinte Ratschläge) führt (dies ist ein starker Beleg gegen die Erblichkeit von Stottern, denn Stottern tritt sehr häufig auf, wenn schon ein Familienmitglied, sei es blutsverwandt oder nicht, stottert, oder ein nichtverwandter Bekannter dies tut. Vermutlich liegt diese Häufigkeit weniger an den Genen, als an der gesteigerten Aufmerksamkeit, die Unflüssigkeiten entgegengebracht wird.).
Das Kind merkt nun allmählich, daß ihm in bestimmten Situationen merkwürdige Reaktionen begegnen (z.B. wenn es etwas schönes erzählt und als Reaktion einen traurigen Blick erntet, den die Mutter auf dem Gesicht hat, während sie sagt, wie wunderbar sie die Erzählung findet). Das Kind, das sein Stottern noch nicht als solches wahrgenommen hat, speichert unbewußt, in welchen Situationen diese Reaktionen vorkommen (wann, bei wem, zu welcher Zeit etc.). Es kommt dadurch zur klassischen Konditionierung des Stotterns beim Kind, wobei die auslösenden Reize von den o.g. Situationen dargestellt werden. Die Folge ist, daß das Stottern unbewußt erlernt wird - als ein Reflex, der durch bestimmte Reize ausgelöst wird.
Jetzt passiert einiges: Zum einen tritt das Stottern immer sicherer in bestimmten Situationen auf (z.B. nur daheim/ nie beim Spielen mit Gleichaltrigen im Kindergarten); desweiteren wird das Stottern dem Kind allmählich bewußt. Wenn dieses Stotterbewußtsein entwickelt ist, spricht man nicht mehr von der kindlichen Sprechunflüssigkeit, sondern vom kindlichen Stottern. Das Problem ist: Die Kinder hören schon, was Ihnen widerfährt, haben aber noch nicht die artikulatorische Geschicklichkeit, die notwendig wäre, ihr Problem zu lokalisieren und zu beherrschen. Sie beginnen also, zu versuchen, ihre Zunge mit Hilfe der Ohren in den Griff zu bekommen - ein blindes Unterfangen.
Auf dem Stotterbewußtsein basieren nun die vielfältigsten Verhaltensweisen:
Vermeidungsverhalten (Vermeidung von Buchstaben, Wörtern, Situationen, Berufen... ), Anstrengungsverhalten (z.B. die Augen Zusammenkneifen, um irgendein Wort besser aussprechen zu können), vegetative Symptome (Schwitzen, Rotwerden, Kurzatmigkeit, ...), die Reihe ließe sich endlos fortsetzen und spätestens hier ist kein Stottern mehr, wie das andere.
Was soll man also tun, wenn das Kind stottert?
Am besten zunächst gar nichts. Wenn man die kindliche Unflüssigkeit als einen ganz normalen Entwicklungsschritt betrachten kann und dies auch in seinem individuellen privaten Umfeld durchsetzen kann, also stets nur geduldig den Inhalt des Gesagten beachtet und nie die Form - dann kann das Kind in Ruhe seinen Spürsinn im Mund entwickeln und lernen, die Unflüssigkeiten in den Griff zu bekommen.
Aber wo kann dieser Idealfall schon auftreten? Wer kann sein Kind stottern lassen, ohne ihm Ratschläge zu geben, ihm "zu helfen"? Und fühlt sich dann für sein liebevolles Bemühen letztendlich schuldig?
Eine frühe logopädische Analyse und Beratung kann viele Symptome rund um das Stottern verhindern helfen.
Aber auch ein schon lange manifestiertes Stottern kann durch eine gute logopädische Therapie verflüssigt werden.
3. Stimmstörungen - Dysphonien Dysarthrophonien und Rhinophonien
Probleme mit der Stimme kann es in jedem Lebensalter und in sehr vielen unterschiedlichen Formen geben:
Als Folge einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, nach Schlaganfällen, bei Hörstörungen unterschiedlichster Genese, infolge chronischer Erkältungen und Allergien, durch Stimmfehlbelastungen und -überlastungen, nach Schlaganfällen, infolge psychischer Probleme,.... die Reihe ließe sich endlos fortsetzen.
Genauso weit gefächert wie die Ursachen sind die Behandlungsmöglichkeiten. Basis muß aber immer sein, daß die Stimme nicht unten am Hals anfängt und an den Lippen aufhört. Vielmehr bedarf die gute logopädische Behandlung die Einbeziehung des ganzen Menschen - seiner Haltung, Atmung, Stimmung, seines Körpertonus und Allgemeinbefindens und seiner Selbstempfindung.
4. Zustand nach einer Laryngektomie
Muß infolge einer Krebsbehandlung der Kehlkopf entfernt werden, ist der Patient von einem Tag auf den anderen in der Situation, keine Stimme mehr zu haben. Nicht mehr scherzen, reden, schreien, singen,... .
Die allermeisten unserer Patienten haben die sogenannte Oesophagusersatzsprache oder Ructussprache gelernt, bei der Luft in die Speiseröhre gedrückt wird, die beim Wiederaufsteigen am oberen Oesophagussphincter-Muskel in Schwingungen versetzt wird (ähnlich wie bei den Stimmlippen im Kehlkopf) und so ein Ton erzeugt wird, mit dessen Hilfe gesprochen werden kann.
Die Therapie endet übrigens nie mit dem Erlernen der Ructusstimme in unseren Räumen. Genauso wichtig wie das Erlernen ist es, dem Patienten beim ersten Einsatz der neuen Stimme in der Öffentlichkeit zu unterstützen - z.B. wenn man selbst den Ructus einsetzt und der Patient zunächst einmal zuschauen darf.
5. Myofunktionelle Störungen (Zungendysfunktion, infantiles Schlucken)
Viele Erwachsene haben diese Erfahrung hinter sich gebracht: Als Jugendliche sind sie mit einer Zahnspange versorgt worden. Nach einiger Zeit waren die Zähne gerade geworden und die lästige Spange konnte wieder verschwinden. Und dann - nach einiger Zeit - waren die Zähne wieder so, wie vor der Behandlung mit der Spange.
Warum das?
Der Grund dafür ist die Bewegung der Zunge beim Schlucken: Im Idealfall drückt die Zunge beim Schlucken gegen den harten Gaumen oberhalb der oberen Zähne. Der ist hart und hält das aus, ja er braucht diesen Druck sogar für ein ideales Wachstum.
Ist diese Schluckmuster nicht erworben, stützt sich die Zunge woanders ab: An den Zähnen. Manchmal mehr oben, manchmal mehr unten, manchmal auch seitlich. Die Zunge drückt so die Zähne schief und erzeugt so die unterschiedlichsten Zahnstellungen. Immerhin schlucken wir im Durchschnitt 2x pro Minute!
Die Gründe dafür sind meist ähnlich: Entweder Kinder wurden nur kurze Zeit oder gar nicht gestillt, so daß Mund und Zunge sich nicht an der mütterlichen Brust für die Nahrung anstrengen mußten und trainiert wurden, sondern die Zunge eher dazu benutzten, daß sehr großzügige Loch am Sauger der Flasche zuzudrücken, um Zeit zum Schlucken zu haben oder häufige Erkältungen mit Verlegung der Nasenwege führten zu einer Mundatmung. Eine permanente Mundatmung führt zu einer Zungenruhelage am Mundboden (statt idealerweise am T-Punkt) und aus der hebt sich die untrainierte Zunge nicht jedesmal extra nach oben, um zu schlucken.
Der Ablauf der Therapie ist grob wie folgt: Mundschluß und Nasenatmung schaffen, Gesichtsmuskulatur regulieren (v.a. Zunge und Wangen aufbauen, andere lockern), Zungenruhelage oben am Gaumen eingewöhnen, korrektes Schlucken eingewöhnen.
Die Therapie kennt nur zwei Möglichkeiten: Entweder es wird viel geübt und man wird schnell fertig oder es wird nicht viel geübt und man wird "gar nicht" fertig.
Da es aber zwischen den zugegebenermaßen anstrengenden Pflichtübungen auch Spaßiges zu tun gibt (z.B. orbicularis oris (Muskel um den Mund herum) stärken durch Puddingwettschlürfen mit Strohhalm), haben die allermeisten Kinder schnellen Erfolg. Die durchschnittliche Behandlungsdauer liegt bei ca. 15 Stunden.
6. Schluckstörungen (Dysphagie)
Störungen des Schluckaktes treten in der Regel bei geriatischen Erkrankungen auf (Schlaganfall, Systemerkrankungen) oder auch bei neurologischen Entwicklungsstörungen im Kindesalter.
Dramatisch ist, daß viele Schluckerkrankungen erst sehr spät oder gar nicht erkannt werden. Typische Symptome wie starke Verschleimung der Lunge, Lungenentzündungen oder auch starke Gewichtsabnahme werden häufig anders gedeutet und behandelt.
Ist die Schluckstörung erkannt, kann durch logopädische Übungen die Sensibilität verbessert werden, um zum Beispiel den Würg- und den Hustenreflex wieder herzustellen oder zu verbessern, um unkontrolliertes und unbemerktes Eindringen von Speise in die Atemwege zu verhindern.
Die Behandlung hat desweiteren die Kräftigung der am Schlucken beteiligten Muskeln zum Ziel: Die am und im Mund (Nahrungskontrolle und Auslösung des Schluckreflexes) und die Kehlkopfheber (durch das Heben des Kehlkopfes werden die Atemwege verschlossen - eine Schutzfunktion).
Im Idealfall kann der Patient schließlich wieder selbst oral die notwendige Nahrungsmenge bewältigen. Wenigstens aber zu der über die PEG-Sonde zugeführte Nahrung einiges "normal" essen. Dies kann für einen gebrechlichen Menschen eine gewaltige Verbesserung der Lebensqualität bedeuten.
8. Dysarthie, Dyspraxie
Diese Störungen des Artikulierens von Buchstaben und Worten treten in der Regel infolge geriatischer Erkrankungen auf (z.B. Schlaganfall).
Dysarthrie nennt man die Schwierigkeit, infolge muskulärer Schwäche oder Lähmungen die Artikulationsbewegungen nicht so ausführen zu können, wie man möchte. Ein Patient weiß z.B., daß die Lippen beim "M" geschlossen sein müssen, versucht auch, die richtige Bewegung auszuführen, erreicht aber keinen Lippenschluß, weil die Kraft fehlt.
Die Therapie hat das Ziel, atrophierte Muskeln wieder aufzubauen und gelähmte je nach Art der Lähmung anzuregen oder zu lockern.
Dyspraxie sagt man, wenn die Bewegungsplanung Schwierigkeiten bereitet. Ein Patient verfügt beispielsweise über eine muskulär intakte und gut bewegliche Zunge, kann diese aber nicht willkürlich heben, um ein "L" zu sprechen.
Die Aufgabe der logopädischen Behandlung besteht hierbei darin, das Gefühl für die Bewegungsabläufe im Mund zu verbessern und so die Koordination der Artikulationsbewegungen zu erleichtern.
9. Aphasie
Als Aphasie bezeichnet man Sprachstörungen, die durch Krankheit oder Trauma des Gehirns nach abgeschlossenem Spracherwerb auftreten (Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, CO-Vergiftung).
Betroffen sein können je nach betroffenen Hirnarealen das Sprachverständnis, die Merkspanne, das Lesen, das Schreiben, die Grammatik und der Wortschatz.
Die Therapie ist aufgrund der unendlich vielen Symptomkomplexe sehr unterschiedlich.
Aber was kann der Therapeut überhaupt tun? Ein Beispiel: Wir stellen uns vor, die einzelnen Hirnbereiche mit ihren unterschiedlichen Funktionen sind durch Straßen miteinander verbunden. Am anderen Ende einer Straße stelle man sich z.B. den Wortschatz vor. Da die Straße nur noch schwer passierbar ist, fallen dem Patienten viele Worte nicht ein. Nun versucht man, Umwege zu finden und die Passierbarkeit dieser Straße zu erhöhen. Ein Beispiel: Ein Patient sieht ein Bild mit einer Tasse. Er kommt nicht darauf, wie dieser Gegenstand heißt. Zusammen mit dem Therapeuten beschreibt er das Bild: zum Trinken, aus Porzellan, mit Henkel - und bei einem bestimmten Stichwort fällt ihm das Wort wieder ein (Umweg). Nach einigem Üben kann er die Tasse auch wieder ohne Hilfe benennen (Passierbarkeit der Straße ist wieder besser).
Bei vielen Patienten bleiben trotz intensiven Übens manche Sprachbereiche beeinträchtigt. Dann ist es die Aufgabe der Therapeuten, mit ihm zu üben, den Alltag auch trotz dieser Probleme zu bewältigen. Wenn beispielsweise ein Patient den Mut braucht, trotz Wortfindungsstörungen wieder zum Bäcker zu gehen.
Hier fällt mir eine nette Geschichte ein: Eine meiner Patientinnen, eine nette ältere Dame, traute sich nicht mehr, ihre gewohnten Gänge zum Bäcker zu machen. Sie hatte Angst, die Leute könnten sie für dumm halten, wenn ihr auf einmal die Worte fehlen würden. Zur Vorbereitung auf einen gemeinsamen Gang beim Bäcker wurde die Einkaufssituation einige Male in der Therapie durchgespielt. Als der Tag kam, für den der gemeinsame Einkauf geplant war, kam sie freudestrahlend und erzählte, daß sie tags zuvor schon beim Bäcker gewesen war. Keiner hatte irgendetwas von ihren Schwierigkeiten gemerkt. Und so ist sie in ihrer Euphorie gleich danach noch zum Metzger gegangen. Die Überwindung dieser Hemmschwelle bedeutete für diese nette Dame ein riesiges Bündel an Glücksgefühlen. Und für mich auch.Stephan Olbrich